Schöpfen wir jetzt alle etwas Mut

„Merry crisis and a happy new fear“ wünschen sich manche gerade. Doch was wir jetzt brauchen ist Zusammenhalt. Dann ist alles möglich.

In den letzten Tagen ist mein Blick abends immer hoch zu den Sternen gewandert. Da war einmal die Nähe von Jupiter und Saturn, die man bestaunen konnte. Mich zog aber wohl noch etwas anderes an. Es war irgendwie beruhigend eine kosmische Ordnung zu bestaunen, die in ihrer majestätischen Ewigkeit und unendlichen Entfernung so gnädig und teilnahmslos auf die irdische Unordnung herabblickt, wie wir sie derzeit erleben.

Zur Zeit Jesu sollten sich die Menschen in Listen eintragen, zur ersten großen Volkszählung. Auch heute liegen wieder Listen aus. Unsichtbare Listen. Man trennt zwischen gut und böse.

Viele von Ihnen berichten mir, dass sie in den letzten Wochen und Monaten eine Schneise gespürt haben, die quer durch Familien, Freundschaften und Beziehungen verläuft. Es wird daran gearbeitet, dass sich zwischen den Menschen neue Gräben auftun. Kritiker der aktuellen Politik gelten laut Kanzlerin als Fall für die Psychiatrie. Andersdenkende werden neuerdings wieder pathologisiert, und was noch schlimmer ist: Der Aufschrei darüber hält sich in Grenzen. Lassen wir uns mit dem Spaltpilz der Angst und des Misstrauens nicht noch stärker zu isolieren, als es ohnehin schon durch die Maßnahmen der Fall ist.

Drehen wir den Spieß um!

Es braucht gerade jetzt als Gegenmittel ein Mehr an geistiger Nähe und Austausch, um gar nicht erst Gräben entstehen zu lassen. Gräben sind das Totenbett der Demokratie. In ihnen stirbt die gemeinsame Willensbildung, die letztlich die Basis von allem ist. Wer diese Willensbildung nicht zulassen will oder torpediert, wendet sich gegen den Urgedanken der Demokratie.

Für viele Gläubige ist es ein Fest der Hoffnung, denn es wird der Retter geboren, der die Menschen von ihrem Joch befreit. Viele Menschen schöpfen aus diesem Gedanken Kraft und Zuversicht. Und das ist gut. Trotzdem sollte man in Krisenzeiten nicht allein auf Hilfe von Außen hoffen. Jeder von uns hat in seinem Handlungsradius die Möglichkeit, die Situation zu verändern. Und viele von Ihnen tun es bereits. Ich höre viel von Menschen, die sich vernetzen, statt sich einzumauern. Die sich nicht der Angst ergeben, sondern diese in mutige Entschlossenheit umwandeln. Dies zeigt auch: Die Angstpropaganda wirkte eine zeitlang; doch auch die Drüse der Angst ist irgendwann leergemolken. Jetzt schlägt es um. Die autoritäre Rhetorik und Politik der Regierung offenbart selbst eine Angst, und zwar vor der Bevölkerung.

Die Herrschaft der Wenigen über die Vielen ist nur möglich, wenn letztere sich selbst bekriegen. Gegen die Kontraktion der Macht hilft nur die Verbundenheit der Vielen. Eine Krise ist eine Situation in der das Alte noch nicht gestorben und das Neue noch nicht geboren ist. Eine Zeit des Übergangs. Und ein Scheideweg. Ich empfinde es gerade als Zeit der schmerzhaften Wahrheiten aber auch der neuen Möglichkeiten. Als müsste es so sein, dass das Neue auf den morschen Rümpfen des Alten entsteht.

Ja, es ist eine Bewährungsprobe, die wir gerade erleben. Eine Prüfung. Dieser sollte man sich ohne Angst stellen. Denn mit weichen Knien kann man nicht mal gut weglaufen, geschweige denn an etwas Neuem bauen. Krisen beschleunigen Reifeprozesse. Und das Erwachsenwerden. So auch jetzt. Gerade wächst eine neue kritische Öffentlichkeit heran von Bürgern unterschiedlichster Herkunft und beruflichem Hintergrund, die beschlossen haben, ab jetzt genauer hinzusehen. Überall trägt man jetzt Maske. Und zugleich fallen die Masken gerade vielerorts. Vielen wird bewusst: Wir müssen uns der Wahrheit stellen, gerade wenn sie unschön und schmerzhaft ist. Sonst leben wir in einer Illusionswelt. „Enttäuschung“ ist positiv gesehen eben auch das Erkennen der Täuschung, eine „Ent-Täuschung“.

Ich persönlich empfinde es als Privileg, für ebendiese kritische Öffentlichkeit zu schreiben, zu der ich auch Sie, meine Leserinnen und Leser in wachsendem Umfang zähle. Ihre zahlreichen Reaktionen (die ich alle lese aber nur selten beantworten kann), sind mir ein gewaltiger Ansporn für meine Arbeit und eine echte Kraftquelle. Ich hoffe meine Texte sind es für Sie bisweilen auch.

Es gibt einen schönen polnischen Brauch zu Weihnachten, den meine Eltern sicher auch dieses Jahr wieder begehen werden. Leider ohne mich. Nach diesem Brauch ist immer ein freier Stuhl und ein Gedeck für den unerwarteten Gast am Tisch reserviert.

In diesem Sinne und in geistiger Verbundenheit wünsche ich Ihnen ein frohes Fest und dass auch Sie in den nächsten Tagen etwas weniger häufig in Abgründe blicken, sondern zu den Sternen schauen.

Nach den Feiertagen geht es weiter mit Teil 3 der Serie “Der Corona-Komplex” zum Thema Propaganda, Meinungsmanagement und Angstmache. Alle bisher erschienen Beiträge finden Sie im Archiv. Sie erreichen mich unter kontakt@idw-europe.org oder wenn Sie auf diese Mail antworten. Gerne können Sie die Beiträge weiterleiten. Meine Arbeit ist nur durch Ihre Unterstützung möglich. Herzlichen Dank.

Ich erweitere die Weihnachtsaktion: Wer sich jetzt bis zum 26.12., 24 Uhr für ein Jahresabo entscheidet, bekommen mein letztes e-book “Generation Chillstand” gratis und darf zudem 2 Geschenkabos vergeben.

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