Die Pandemie der Impfluenzer

Gerade ist es groß in Mode, dass Journalisten, Autoren, Künstler und Musiker zur Impfung gegen Covid aufrufen. Auch in der Schweiz. Wissen sie, was sie tun? Eine Replik.

Jürg Halter ist ein Schweizer Autor und Performer, also irgendwie im wortakrobatischen Milieu unterwegs. Seit kurzem ist er auch noch «Impfluenzer», fühlt sich also als medizinischer Laie dazu berufen, dafür zu werben, dass sich seine Mitmenschen «aus Solidarität» einen experimentellen Impfstoff injizieren sollen.

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Das klingt dann auf Facebook folgendermaßen, beginnend mit der Anrede «Sehr versehrte (!) Impfgegnerinnen und Impfgegner»; doch lustiger wird es leider nicht (immerhin war aber noch Zeit zum Gendern):

«Die ihr gerade wissentlich unser aller Herbst abfuckt, schon mal überlegt, wer nun eigentlich unter wessen Diktatur zu leben hat? Merkt ihr denn nicht, dass ihr durch eure Impf-Verweigerung das Gesundheitssystem abfuckt, das Kulturleben abfuckt, Kitas und Schulen abfuckt, die Wirtschaft abfuckt, die Gastronomie abfuckt, die Selbstständigen und Wenigerverdienenden abfuckt, die Freiheit abfuckt, eure Mitmenschen abfuckt und ihr so schlussendlich auch euch selbst abfuckt? Für was? WTF?»

Eine Runde Wohlfühlen unter Versuchskaninchen

Ok, etwas viel Fuckup in der Wortvariation, aber es muss für die linke Bubble vermutlich immer etwas nach Graffiti-Hinterhof und Hoodieträger klingen, wenn man schon die Regierungspropaganda von der «Pandemie der Ungeimpften» wiedergibt. In den Spitälern nur Ungeimpfte? Daran kann man gut und gerne zweifeln. Es ist zudem längst bekannt, dass auch Geimpfte erkranken können, nicht vor Mutationen gefeit und infektiös sein können. Hinter dem Wieselwort «Solidarität» versteckt sich ein Angstkollektiv, welches sich umso wohler fühlt, je größer es ist: Das Kollektiv der «Versuchskaninchen» (O-Ton SPD-Kanzlerkandidat Scholz in Deutschland). Für Herrn Halter trotzdem ein Grund, das große Wir auf der einen Seite und das große Ihr auf der anderen Seite zu bemühen.

«Das Absurdeste ist, dass ihr durch eure egoistische, antisolidarische und gefährliche Verweigerung die Wiederkehr eurer geliebten sogenannten Normalität immer weiter hinauszögert (während weltweit Millionen und Abermillionen von armen Menschen darauf warten, sich überhaupt impfen lassen zu können). Man könnte so fast meinen, ihr hättet euch unsterblich masochistisch in das Virus verliebt. Eine toxische Liebe, unter der wir alle zu leiden haben.»

Und deshalb: «Lasst euch nun einfach impfen».

Heißt im Klartext? Ich bin für die Armen und die Solidarität, und Ihr zerstört unser aller Leben. Ja, ist angekommen, Herr Spalter, äh, Halter. Doch wie so oft, wenn linke Weltverbesserungsprosa gepaart mit Hypermoralismus dazu verwendet werden, Zwang etwas netter aussehen zu lassen, sehe ich mehr «red flags» als auf einer Parade der kommunistischen Partei Chinas. Die freut sich gerade wohl auch über jeden im Westen, der ihre Panik-Propaganda weiterträgt. Also über jeden nützlichen Idioten.

Hat er jetzt also Angst vor sich selbst? So klingt Jürg Halter, wenn er Bücher verkaufen will (Screenshot: https://www.blick.ch/life/freizeit/juerg-halter-ueber-seinen-neuen-gedichtband-gemeinsame-sprache-mir-macht-angst-wie-vergiftet-wir-kommunizieren-id16332031.html)

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Lieber Herr Halter, kennen Sie die BBC-Moderatorin Lisa Shaw? Gestorben wegen der Impfung, laut Obduktion. Was sagen Sie ihr und ihren Angehörigen? «Abgefuckt dummgelaufen» oder «Solidarität muss auch mal über Leichen gehen können?». Wo bleiben die sonstigen Obduktionen? Das Paul-Ehrlich-Institut in Deutschland untersucht gerade über 1200 Todesfälle im Zusammenhang mit der Impfung. Inzwischen liegen von allen in Deutschland zugelassenen Impfherstellern Rote Briefe (insgesamt acht an der Zahl) zu den Nebenwirken ihrer Impfstoffe vor, und das sind nur die Nebenwirkungen, die diese gezwungen sind, zuzugeben.

Haften Sie, Herr Halter? Ganz solidarisch?

Wann wurde das denn mal thematisiert? In Berlin sitzt ein bekannter Schuhmacher jetzt nach der Impfung im Rollstuhl. Guillain-Barré-Syndrom, kann offenbar schon mal vorkommen. War auch bekannt als mögliche Reaktion, nur vielleicht nicht dem Impfling oder Karl Lauterbach, einem deutschen SPD-Hinterbänkler und Impfluenzer, der gerne Gesundheitsminister wäre und auf Twitter entgegen jeder Evidenz von einer «nebenwirkungsfreien Impfung» spricht.

Was sagen Sie jetzt dem Mann im Rollstuhl, Herr Halter? «Hey Mann, Gehenkönnen war auch nur ein Privileg?» Oder: «Dank der Impfversuche der Nazis wissen wir doch jetzt auch mehr über Fleckfieber!». Und was, Herr Halter, wenn da jetzt jemand aus Ihrer Familie oder Ihrem Freundeskreis gesundheitstechnisch upgefuckt ist, weil diese Person auf Impfluenzer wie Sie bei Facebook gehört hat, einfach nur ihre Freiheit wollte und die alte Normalität zurück? Oder weil sie sich im Freundeskreis ausgestoßen fühlte? Die Impfstoffhersteller haben die Haftung ja schon mal vertraglich ausgeschlossen. Springen Sie dann eigentlich ein, Herr Halter, so ganz solidarisch und so? Sie wissen ja so gut Bescheid.

In Deutschland haben 23 000 Privat- und Kassenärzte die Impfkampagne verlassen. Das sind Leute, die das mit der Gesundheit hauptberuflich machen. Doch bei Ihnen, Herr Halter, kein Fünkchen Zweifel. Nicht mal das Argument des angeblichen Konsenses der Wissenschaft wäre ein Garant für Richtigkeit, um wieviel weniger dann der medial fabrizierte Konsens? Das sollte selbstverständlich sein für uns alle, die wir an die Wissenschaft glauben. Oder nicht? Die Impfung jedenfalls scheint so gut zu funktionieren, dass es dafür nicht nur staatlichen Zwang braucht, sondern immer weitere Booster und «Auffrischungen», nach dem Motto: Wenn es schon zweimal nicht hilft, hilft es sicher ein drittes Mal.

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Der Volksmund weiß: «Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht». Man muss gerade kein Genie sein, um skeptisch gegenüber der Pandemiebekämpfungspolitik zu sein. Erst waren es ein paar Maßnahmen, dann waren es die historisch völlig neuen Lockdowns und Massentestungen. Jetzt sind wir bei der dritten Impfung und aus Indien ist ein DNA-Impfstoff im Anmarsch, weil RNA offenbar nicht creepy genug ist. Dazu noch die Impfdurchbrüche, das Phänomen der infektionsverstärkenden Antikörper (antibody-dependent enhancement), die unklaren Langzeitfolgen, die veränderte Definition von Herdenimmunität durch die WHO. Nunmehr zählt nur noch die Impfung. Man könnte mal investigativ fragen: Ging es denn je um etwas anderes? Der erste Impfstoff war mehr oder weniger schon entwickelt, noch bevor in Europa der erste Lockdown begann.

Für Sie, Herr Halter, sind das alles offenbar gerade extrem vertrauensbildende Ereignisse. Hand aufs Herz: Glauben Sie allen Ernstes trotz aller früherer Vertröstung, dass mit der Impfung die Freiheit zurückkommt? Was Sie Freiheit nennen, ist schon jetzt nur eine Art Hafterleichterung wegen guter Führung im großen Corona-Krankenhausgefängnis, in welches diese Welt inzwischen verwandelt worden ist. Wie die Politiker wedeln Sie mit einem Freiheitsversprechen, das Sie gar nicht einlösen können. Sie verkaufen der Öffentlichkeit ein Impfabonnement. Sie verarschen Ihr Publikum, um es moralisch etwas wärmer ums Herz zu haben. Ich nenne das: schäbig.

Autoritäre Gesundheitspolitik gegen Wissenschaft

Freiheit für Gehorsam? Es ist genau umgekehrt. Es ist der abgefuckte Gehorsam, unter anderem Ihr abgefuckter Gehorsam, der dafür sorgt, dass es nicht aufhört. Ihr Gehorsam füttert eine politisch-pharmazeutisch-mediale Maschinerie, die Sie alle paar Wochen mit einem neuen Narrativ verarscht. Vor genau einem Jahr war niemand geimpft und die Todeszahlen in der Schweiz und den meisten Ländern Europas waren quasi bei null. Die Politik dreht an der Schraube der Pandemie-Erzählung, wie sie will. Man baut mitten in der Pandemie Intensivbetten ab. Man testet Gesunde in Massen. Und jetzt impft man mitten in der Pandemie. In Ländern mit Rekordimpfquoten wie Israel, Gibraltar oder Island gehen die Zahlen der Neuinfektionen durch die Decke.

Sie sind, wie ich, Jahrgang 1980. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine Corona-Infektion überleben, liegt bei 99,918 Prozent. Für Sie reicht das, um ein drastisches, verzerrtes Bild als Drohkulisse zu zeichnen. Gehen Sie überhaupt noch aus dem Haus und über Zebrastreifen? Haben Sie als Schweizer schon eine Tsunami-Versicherung abgeschlossen? Führen Sie sich noch auf natürlichem Wege Nahrung zu, ohne Angst, an einem Stück Rösti zu ersticken?

Für den Evidenzforscher John P.A. Ioannidis stand in dieser Krise eine «autoritäre öffentliche Gesundheitspolitik» gegen die Wissenschaft: «Und die Wissenschaft verlor» (hier eine deutsche Fassung des Beitrags). Leider auch deshalb, weil immer noch zu viele upgefuckte Impfluenzer das Team «autoritäre öffentliche Gesundheitspolitik» cooler finden als die Wissenschaft. Denn letztere lebt vom freien Austausch der Argumente. Ihr Team, Herr Halter, diffamiert Andersdenkende, statt Sie zu widerlegen. Ihr Team macht auf halbstark und präpotent, hat aber insgeheim ziemlich viel Angst vor Transparenz.

Ich habe gerade eine Hochzeitseinladung im Familienkreis in Deutschland abgesagt. Man müsse leider meinen Impfstatus abfragen und an die Ortspolizei melden. Dort werden Listen geführt. Listen! Im besten Deutschland aller Zeiten. Was soll schon groß schief gehen? Es werden neuerdings Menschen mit einem faktischen Berufsverbot belegt, die nicht geimpft sind. Ungeimpfte Studenten sollen die Universität nicht mehr betreten. Das hat mit Gefahrenabwehr gar nichts zu tun. Das ist pure Symbolpolitik im Zeichen der Impfapartheid. Es ist faschistoid. Und zwar egal ob in den Farben braun, rot, grün oder arztkittelweiß.

Der Grenzgraben wird erweitert

Wir haben leider eine Pandemie der Impfluenzer, denn wir haben offenbar eine Bildungslücke darüber, wie totalitäre Regime entstehen. Sie entstehen nicht durch ein großes, schockierendes Ereignis. Sie entstehen Stück für Stück, in kleinen Schritten, von denen der nächste stets wie der allerletzte aussieht und vom Schritt davor vorbereitet wurde, um ihn erträglicher aussehen zu lassen.

Mensch Jürg, ich dachte eigentlich eine ganze Weile, dass unsere Generation der Nachwelt eine bessere Welt hinterlässt. «Wehret den Anfängen» und so. Doch dann stolpere ich über Alexander Solschenyzins «Archipel Gulag», wo er schreibt: «Wir liebten die Freiheit nicht genug. Wir unterwarfen uns mit Freude. Wir hatten die Freiheit nicht verdient.» Und dann denke ich mir: Es geht irgendwie wieder los und wir sollen jetzt die alten Schlachten von damals noch einmal kämpfen? Die einen auf der Seite des Ihr und die anderen auf der Seite des Wir?

Ich würde jetzt gerne versöhnlich am Ende sagen: Nichts für ungut, musste mal gesagt werden. Den Rest gerne bei einem Bier in einer netten Bar. Aber gerade scheint die herrschende Ideologie das irgendwie unmöglich machen zu wollen, denn einer von uns ist vielleicht nicht durch ein Zertifikat ausgewiesen. Auffällig, oder? Der Grenzgraben wird erweitert. Auf dass ja keine falschen Themen aufkommen? Mir gibt das zu denken. Ich hoffe, Ihnen vielleicht auch.

Irgendwann mal.

Gerne früher als später.


Aktueller Hinweis: Über das Thema Cancel Culture und Zensur habe ich vor kurzem mit Wladislaw Jachtchenko folgendes Interview geführt. Er ist ebenfalls Volljurist, zudem Rhetoriktrainer und wir kennen uns noch aus früheren Zeiten aus dem Debattierclub München e.V. Zudem ist er Mitstreiter im Symposium.


Die obige Kolumne erschien zuvor im Satiremagazin Nebelspalter.

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