Political Correctness ist Gift für die freie Debatte

Die aktuelle Diskussionsunkultur ist das Ergebnis einer Angst vor der Freiheit. Wie werden wir den Ungeist wieder los? (Vorschau)

Sie lesen hier regelmäßig Texte und Updates zum “Appell für freie Debattenräume”. Auch meine NZZ-Kolumnen sowie sonstige journalistische Texte erscheinen hier auf “Freischwebende Intelligenz”. Der folgende Beitrag ist Abonnenten vorbehalten. Einige von Ihnen sind schon dabei, vielen Dank! Updates zum “Appell für freie Debattenräume” werden immer kostenlos sein.

In Monty Python´s „Ritter der Kokosnuss“ muss König Artur auf dem Weg zum heiligen Gral unter anderem an einem schwarzen Ritter vorbei, der sich ihm siegessicher in den Weg stellt aber letztlich auf desolate Weise kämpft. Schon bei den ersten Hieben verliert er einen Arm, kurz darauf den anderen. Danach ist schon das erste Bein dran. Doch trotz aller Verluste ist der jetzt auf einem Bein humpelnde schwarze Ritter nicht von seiner hohen Meinung über die eigene Überlegenheit abzubringen. „Nur eine Fleischwunde! Nur ein Kratzer! Nichts passiert.“ Am Ende steht ein trauriger Rumpf in Rüstung am Boden und ruft dem Sieger hinterher: „Komm zurück, Feigling!“

Ein ähnlich verqueres, wenngleich todernstes Spektakel, spielt sich immer wieder vor unserer aller Augen in öffentlichen Debatten ab. Auch hier sind die Massstäbe der Beurteilung, die Standards selbst, aus den Fugen geraten. Wer heute keine guten Argumente hat, kann mit Verweis auf Identität, Gefühl, das persönliche Erleben, dank des Schutzes einer folgsamen Schar von Moralisten, leicht „Recht bekommen“. Fakten sucht man sich, wie Rosinen: wer auf der vermeintlich guten Seite steht, für den gibt es nur einen Grund für den Klimawandel, aber dafür 60 verschiedene Geschlechter. All das ist alarmierend, denn die freie Rede ist die Lunge der Demokratie. Aus der Krankheit der einen folgt unweigerlich ein Siechtum der anderen. Der Ungeist der politischen Korrektheit metastasiert sich gerade durch Universitäten, Redaktionsstuben bis hin in die Politik. Was ist dem entgegenzusetzen?

Der Debattenraum wird privatisiert

Der Kern des Problems ist einfach: es gibt nur einen öffentlichen Debattenraum. Dessen Standards haben in Anlehnung an die Theorien John Stuart Mills und das Theorem des „Marktplatzes der Ideen“ (Richter Oliver Wendell-Holmes) Eingang in die Verfassungen der Länder der freien Welt gefunden: die freie Debatte über alle Themen dient der Wahrheitsfindung, sie schützt den Prozess der Kollision unterschiedlichster Perspektiven (also von Meinungen basierend auf Fakten), egal ob diese provokant, verletzend oder wertlos daher kommen. Da es seit jeher unpraktikabel war, die Wahrheitsfindung top-down zu organisieren und auf eine Person zu delegieren, verständigte man sich auf einen Prozess der Erkenntnisgewinnung durch alle in einem Verfahren, welches seit Aristoteles massgeblich vom Logos, also von Rationalität bestimmt ist.

Praktisch umgekehrt ist der Prozess aus Sicht der Political Correctness-Bewegung.

Jetzt Abo abschliessen und weiter lesen…

Sie erreichen mich unter kontakt@idw-europe.org, oder wenn Sie auf diese Mail antworten. Oder hinterlassen Sie einen Kommentar.

  • Paypal, @freieIntelligenz; miloszmatuschek@substack.com

  • Bitcoin: 1DiGG4P2LEcmLP6i8B9rbe3CCMYcKrfbfc

  • Weitere Möglichkeiten auf Nachfrage.

  • Abo

Leave a comment

Share