«Great Reset» und globale Coronapolitik: Wer regiert die Welt?

Kleiner Tipp: Sie und ich sind es nicht, aber man nennt uns «den Souverän». Kolumne.

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«Gelingt es den Demokratien, einen fairen und gleichberechtigten Zugang der Staatengemeinschaft zu neu entwickelten Therapien und Impfstoffen zu organisieren, dann wird dieses Signal einer tatsächlich als Weltgemeinschaft gegebenen Antwort weit über die Pandemie hinaus beispielgebend und wirkmächtig sein». Bitte stören Sie sich nicht an der Umständlichkeit des Zitats, das muss so sein, denn es stammt vom deutschen Bundespräsidenten Steinmeier. Und dessen Sätze sind verläßlich so formuliert, dass man sie entweder schon nicht versteht oder sofort vergisst. Aber es ist ein Satz, in welchem die «Weltgemeinschaft» vorkommt, ganz unverfänglich, und diese macht auch noch etwas, sie gibt nämlich Antworten in der Pandemie. Wo Corona Fragen aufwirft, wird im Idealfall nach Ansicht einiger Politiker die «Weltgemeinschaft» tätig, eine nicht näher bestimmte, aber stets um das Wohlergehen aller besorgte, oberste Entscheidungsebene.

Das Problem ist nur: wer diese Weltgemeinschaft ist, wie sie zu Entscheidungen kommt und vor allem, durch wen sie mit welcher Absicht handelt, das erfährt man irgendwie nie. Offiziell gibt es nämlich immer nur die Nationalstaaten, und vielleicht noch ein paar internationale Organisationen obendrauf, die irgendwas tun, mehr aber auch nicht. Wer Fragen nach anderen Zentren der Entscheidungsmacht aufwirft, gilt als suspekt.

Dabei ist die Situation selbst mehr als suspekt. Nicht erst seit Corona, aber jetzt dafür umso stärker, werden die Konturen einer globalen Bürokratie sichtbar, die scheinbar für alle Fälle schon eine Agenda im Hinterkopf und einen einheitlichen Lösungsplan für alle in der Schublade hat: Die WHO bestimmt, was man auf sozialen Netzwerken über die Pandemie sagen darf, private Konsortien wie GAVI, CEPI und Covax mischen bei der Entwicklung und Verteilung von Impfstoffen auf der ganzen Welt mit, über deren Nutzen irgendeine Expertengruppe entschieden hat und die Regierungen bzw. die Europäische Kommission haben mit Herstellern Verträge abgeschlossen, die jedoch geheim sind. Aber bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

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Es scheint ein geheimes Naturgesetz moderner Mainstream-Informationspolitik zu sein, dass es keine informellen Zentren der Macht gibt, schon gar nicht auf globaler oder internationaler Ebene. In jedem Kaninchenzüchterverein wird wie selbstverständlich und allseits bekannt konspiriert und intrigiert, nur auf oberster Ebene der Schicksalslenkung wird es plötzlich fromm, unverdächtig und lupenrein. Man kann es das Paradoxon der Macht für naive Realisten nennen. Und Journalisten scheinen davon nicht nur beeindruckt, sondern gar so verschreckt zu sein, dass sie bei Begriffen wie «Bilderberger-Konferenz», «Trilaterale Kommission» oder «Bill Gates» sofort weiche Knie und akutes Augenrollen bekommen. Das Informationsbedürfnis der Bevölkerung wird jedenfalls in dem Maße unterversorgt, wie man sich auf der Leiter der Macht nach oben, ins Private und ins Internationale bewegt.

Dabei wird auf dieser hohen Ebene gerade das Leben eines jeden Erdenbürgers massiv bestimmt. Um nur ein Beispiel zu nennen: die teils privat finanzierte Weltgesundheitsorganisation WHO hat schon im Frühjahr 2020 erst die chinesische Lockdown-Politik in den Himmel gelobt sowie den PCR-Test zum Goldstandard der Diagnostik ausgerufen und fast die ganze Welt hat sich dem de facto gebeugt. Inzwischen bietet die WHO auch Kurse für Journalisten an, um richtig über die Pandemie zu informieren. In Abwandlung der Carl-Schmittschen-Formel könnte man sagen: «Souverän ist nicht nur, wer über den Ausnahmezustand befindet sondern wer über die Mittel der Feststellung und Sichtbarmachung einer unsichtbaren Gefahr verfügt und diese verbindlich für alle festlegen kann».

Aber wer genau die WHO ist, wie sie durch wen mit welchem Mandat zu Entscheidungen kommt, das erfährt man äußerst spärlich. Dabei stellte der französische Essayist Philippe Muray, eine Art geistiger Mentor von Michel Houllebecq, schon 1991 anlässlich des weltweiten Nichtrauchertages die richtigen Fragen, die heute nicht weniger aktuell sind: «Wer steckt eigentlich hinter der WHO? Habe ich persönlich die WHO um ihre Meinung gebeten? Hat mich die WHO mal gefragt, bevor sie über die Farbe meiner Tage entscheidet? Haben wir einen Vertrag unterschrieben? Und wo hält die WHO überhaupt ihre Besprechungen ab? Was ist das? Eine Sekte? Ein Konsortium? Ein allmächtiges Verbrechersyndikat? Eine anonyme weltweite Gruppierung? Der wirkliche Name von Big Brother?»

Ein besonders armseliges Schauspiel wird gerade um den «Great Reset» aufgeführt. Darunter ist eine vom Chairman des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, lancierte Agenda zur Umgestaltung der Welt im Zuge des kurzen «windows of opportunity» zu verstehen, welche die Pandemie angeblich gerade aufstösst, um einen irgendwie gearteten grünen, nachhaltigen und gerechten Systemumbau zu vollziehen. Es gibt ein Buch mit gleichnamigem Titel, das Time-Magazin widmete der Agenda im Herbst 2020 sogar das Titelthema und prominente Figuren, von Prinz Charles bis zu den Spitzen von UN, der Weltbank und der Europäischen Kommission liessen verlautbaren, dass es diesen «Great Reset» brauche.

Nur die Mainstream-Medien scheinen überzeugt davon zu sein, dass es sich dabei um eine Erfindung von rechten Verschwörungstheoretikern handeln muss. Und den wahren «Souverän», also Sie und ich, hat man irgendwie auch zu fragen vergessen, ob wir einen solchen «Great Reset» überhaupt wollen. Als Demokrat ist man jedenfalls gerade gut beraten, wenn man auf die Ratschläge von Erich Kästner hört: «Nie aber dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao durch den man euch zieht, auch noch zu trinken».

Mehr zum Great Reset können Sie von mir u.a. hier, hier und hier lesen.


Diese Kolumne erschien zuvor im Satiremagazin Nebelspalter.

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